Millstätter Bürgerfrauen
 
 

gegründet: 1967 (1979)

Gründungsobfrau:
Berta Burgstaller

Obfrauen:
1967–1979
Berta Burgstaller

seit 1979
Christine Leutschacher

 

Sozial denkend, karitativ und kulturell tätig sind die Millstätter Bürgerfrauen aus dem Vereinsleben des Marktes nicht mehr wegzudenken. Gesellschaftlich verkörpern sie die jahrhundertealte Tradition des Bürgertums im Markt. Als Botschafterinnen dieser Millstätter Tradition nehmen sie aber auch am Wirken und Auftreten des Verbandes der Bürger- und Goldhaubenfrauen Kärntens teil.
 
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Obfrau
Mag. Christa Aniwanter

 
   

Gründungsgeschichte: Zusammengeschlossen haben sich die Millstätter Bürgerfrauen im Jahr 1967 auf Betreiben von Berta Burgstaller. Bereits im Jänner des Jahres hatte man sich nach Beratung mit Franz Koschier auf eine gemeinsame, nach dem Vorbild des Kleides von Berta Burgstaller erstellte Bürgerinnentracht geeinigt.

Das erste öffentliche Auftreten der Gruppe fand am 17. Juni 1967 anlässlich der 100-Jahrfeier „Millstatt als Alpenseebad und Luftkurort“ statt. Ursprünglich sah man die Mitgliedschaft im Verband der Städtischen Bürger- und Goldhaubenfrauen als ausreichend an, erst im Jahr 1979 wurde die Gruppe als eigenständiger Verein etabliert. Auch hier zeigen die Statuten vor allem die gemeinnützige Tätigkeit. Die Gruppe wollte sich kulturellen Tätigkeiten, der Erhaltung des Brauchtums, dem zeitgemäßen Heimatgedanken und karitativen Tätigkeiten widmen. Als wichtig und die Gemeinschaft fördernd wurde aber auch die Geselligkeit unter den Bürgerfrauen angesehen, die Zahl der aktiven Mitglieder sollte dabei zwanzig nicht überschreiten.

Karitatives und gesellschaftliches Wirken: Die seit Beginn geführte Chronik der Millstätter Bürgerfrauen berichtet vom vielfältigen Vereinsleben und den sozialen Hilfestellungen für andere, so zum Beispiel von der Unterstützung des Behindertenheimes der Österreichischen Gesellschaft „Rettet das Kind“ in Seebach bei Millstatt. Persönliche Besuche bei einsamen, alten oder kranken Menschen sollen diesen das Gefühl vermitteln, nicht allein und ohne Hilfe zu sein. Finanzielle Hilfe gab es auch für die Musikschule, Volksschule und den Kindergarten in Millstatt.

Monatliche Zusammenkünfte kennzeichnen das Vereinsleben, und gemeinsame Kulturreisen führen zu Kulturstätten im benachbarten In- und Ausland. Das kulturelle Interesse der Gruppe schlägt sich jedoch nicht nur in gemeinsamen Besuchen historisch interessanter Stätten nieder. Im eigenen Umfeld wurde viel zur Erhaltung kirchlichen Kulturgutes geleistet. Die Renovierung und Erhaltung der barocken Millstätter Kalvarienbergkirche ist zu einem großen Teil auf die Initiative und großzügige finanzielle Unterstützung durch die Bürgerfrauen zurückzuführen. Rund 3.500 Euro wurden bisher dafür aufgewendet. Die Eröffnung des Pilgerweges am 29. Juni 2007 ist wohl als Höhepunkt des jahrelangen Bemühens um das architektonisch interessante Kirchlein anzusehen.

Die Damen der Gruppe sind seit der Gründung eng mit dem Geschehen im Markt Millstatt verbunden. Durch die Teilnahme der Bürgerfrauen in ihren gediegenen Trachten werden kirchliche Feste verschönt. Die österliche Auferstehungsfeier, die Fronleichnamsprozession und die so genannte Verlobte Prozession sind Fixpunkte im Vereinsleben.

Die Verlobte Prozession wird alljährlich von der Feuerwehr am Sonntag nach Fronleichnam durchgeführt und geht auf ein Gelöbnis anlässlich des Hochwassers von 1904 zurück. Eng verbunden ist die Gruppe mit der seit Jahrhunderten bestehenden Millstätter Bürgergarde. Für die in regelmäßigen Abständen in Millstatt stattfindenden Jahrestreffen der Kärntner Bürgergarden haben sich die Bürgerfrauen etwas Besonderes einfallen lassen. Jede der Garden erhält als Erinnerung ein schönes Fahnenband überreicht.

Kleid: Das in verschiedener, aber dezenter Farbe gehaltene Bürgerinnenkleid ist einteilig genäht. Der Seidenstoff ist einfärbig und in sich gemustert. Das Oberteil hat einen spitz verlaufenden Halsausschnitt (V-Ausschnitt), welcher mit einer weißen Klöppelspitze versehen ist. Der Leib hat in der vorderen Mitte einen Haftelverschluss und endet in der Taille spitz nach unten. Das Vorderteil ist ab der Schulternaht bis zur Höhe des Ausschnittsbeginnes gesmokt und wird anschließend in schmal (1 cm) gelegten Falten weitergeführt, die unter der Brust enden. Von da an fällt der Stoff glatt und figurbetont bis zur Taille weiter. Die Ärmel sind in der Kugel mit Smokarbeit versehen (gleich dem Vorderteil), verlaufen bauschig weiter und werden an den Unterarmen anliegend, mit vielen vom Stoff gepressten kleinen Knöpfen und Schlaufen, geschlossen.

Das Unterteil besteht aus einem bodenlangen und gezogenen Rock, der an das Oberteil festgenäht wird und mit einem schwarzen Bürstenband am Saum abschließt. Ein weißer Leinenunterrock mit Spitze gibt dem Rockteil ein schöneres Volumen.

Zubehör: Weiße gehäkelte Handschuhe, weiße Strümpfe und schwarze einfache Lederschuhe werden angezogen. Aus dem Pompadour, der aus der verwendeten Kleiderseide gefertigt ist, ragt ein weißes Spitzentüchchen. Ein weinroter oder schwarzer Rüschenschirm schützt vor Sonne, ebenso wie vor Regen. Ein schwarzes, viereckiges Wolltuch mit Fransen dient als Kälteschutz.

Der Schmuck, die einheitliche runde Goldbrosche mit Granaten und einer ziselierten Goldhaube in der Mitte, kennzeichnet die Millstätter Bürgerfrau. Ein vergoldeter Schriftzug „Millstatt“, als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung der Gemeinde, wird auf das Kleid angesteckt. Weiters wird echter und gediegener Trachten- und Goldschmuck verwendet. Ein Biedermeiersträußchen in Kärntner (gelb, rot, weiß) oder Millstätter Farben (gelb, blau) gehört zu den Auftritten.

Haube: Die Goldhaube ist eine Kärntner Knopfhaube, voll bestickt und mit schwarzer Masche versehen.

Text aus: Joachim und Marlies Eichert, Kärntner Bürgerfrauen, Tradition mit neuen Aufgaben, Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2007

 
 
  
 
Landesverband der Städtischen Bürger- und Goldhaubenfrauen Kärntens